Ich habe für mich und die Familie das Richtige getan

Das Berufliches Training im Beruflichen Trainingszentrum Chemnitz bietet Menschen mit psychischen oder neurologischen Beeinträchtigungen die Chance zum Wiedereinstieg in das Berufsleben. Annegret Siegert hat darüber nicht nur einen neuen Job gefunden, sondern auch Stabilität in ihrem familiären Leben.

Wegbegleiter: Annegret Siegert mit Marko Daubitz, Leiter des BTZ Chemnitz (l.) und ihrem Personalberater Sebastian Kreschnak. © M. Lindner, BFW Leipzig
© M. Lindner, BFW Leipzig

Annegret Siegert ist 32 Jahre alt. Sie macht einen aufgeschlossenen und freundlichen Eindruck. Man sieht ihr nicht an, dass sie seit 2016 an ihrem Selbstwertgefühl gearbeitet hat. Klare Vorstellungen hatte sie immer von ihrem Leben. Studium. Gestartet im Eventbereich und in der Hotellerie. Zuletzt Geschäftsführerassistentin in einer IT-Firma. Tätigkeiten, die ihr Spaß machten, sie förderten und auch herausforderten. „Aber, es war nicht mit der Familie vereinbar“, blickt Annegret Siegert zurück. „Keine Zeit mehr für Familie und Freunde.“ Hinzu kamen psychische Belastungen, die diese Branchen mit sich bringen. Die Folge: Burnout.

Die junge Frau wollte jedoch nicht aufgeben, sich nicht aufgeben. 2016 startete sie ein berufliches Training in der Außenstelle Chemnitz des Berufsförderungswerkes Leipzig. Sie wollte ausprobieren, wo ihre Stärken liegen, um wieder neu durchzustarten. Die Erfahrungen aus ihren vorhergehenden Jobs mitnehmen und sich neu orientieren. Dann, nach drei Monaten Training, endlich die lang gewünschte Baby-Pause. Eine Unterbrechung der Maßnahme war notwendig. Zum Neustart gehörte aber auch, sich Zeit nehmen für das, was sie für wichtig hielt: sich um das neugeborene Familienmitglied kümmern.

2018 kam sie zurück ins Berufliche Trainingszentrum Chemnitz (BTZ Chemnitz), um das Berufliche Training in Richtung Büromanagement fortzusetzen. „Ich habe mich schon bei meinem ersten Start im BTZ gut aufgehoben gefühlt“, begründet Annegret Siegert die Rückkehr in die Maßnahme. „Mein Selbstbewusstsein stieg.“ Ihr Personalberater, Sebastian Kreschnak, erinnert sich, dass man bei der jungen Frau den Willen gespürt hatte, ihr Leben selbst zu gestalten. „Wir waren mit dem Assessment, also von Anfang an, ein Partner.“ Rückblickend kann der Personalberater einschätzen, dass sie durch ihr Studium auch gute intellektuelle Voraussetzungen mitbrachte. „So konnte Frau Siegert schnell viele theoretische Teile des Beruflichen Trainings überspringen und sich auf das Ausprobieren im Praktikum konzentrieren.“

Das ist einer der wichtigsten Punkt bei dieser Maßnahme im BTZ Chemnitz. Das Berufliche Training bietet Menschen mit psychischen oder neurologischen Beeinträchtigungen die Chance zum Wiedereinstieg ins Berufsleben. „Dazu gehört“, ergänzt Marko Daubitz, Fachbereichsleiter des Beruflichen Trainingszentrums in Chemnitz und Leipzig, „dass wir möglichst vorher im Assessment die Stärken und Fähigkeiten bei unseren Rehabilitanden herausfiltern.“ Man könne dadurch gezielt und individuell die künftige Tätigkeit eingrenzen. „Und wir nehmen uns die 11 Monate Zeit, um gemeinsam ein Optimum bei der Wahl des Arbeitsplatzes zu finden.“ So waren fünf Anläufe für Annegret Siegert bei verschiedenen Praktikumsbetrieben nötig, um am richtigen Platz zu sein.

Und wie stand es mit den Bewerbungen? Das BTZ Chemnitz hat sich mittlerweile in Chemnitz und Umgebung einen Namen gemacht: von hier kommen Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. „Das war eigentlich kein Problem bei meinen Bewerbungsgesprächen“, erzählt Annegret Siegert. „Ja, sie haben gefragt. Aber, es war Verständnis da. Und letztlich hat es doch geklappt.“ Die junge Mutter hat bei einem Chemieanlagenausrüster eine Sekretariatsstelle bekommen. Unbefristet. Teilzeit. Rücksicht auf die Familie. Flexible Arbeitszeiten. Ein gutes Team. Ideale Voraussetzungen, um eine guten Job zu machen.

„Wir erkennen“, erklärt Marko Daubitz, „dass immer mehr Arbeitgeber die Bereitschaft zeigen, über die angebotenen Praktikumsplätze auch Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen kennen zu lernen. Allein unser Angebot, dass wir mit unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern speziell auf den Arbeitsplatz zugeschnittene Trainings absolvieren sowie Zusatzqualifizierungen durchführen können, ist ein riesiges Plus für die Absolventen unserer Maßnahmen.“ So seien in den zwei Jahren, seitdem sich das Berufliche Trainingszentrum in Chemnitz etablieren konnte, 75 bis 80 Prozent der Rehabilitanden wieder in Arbeit gekommen. Die Hälfte der Vermittelten konnten sogar in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen worden.

Diese Offenheit von Arbeitgebern ist eine gute Chance für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Annegret Siegert konnte davon profitieren. „Ich bin glücklich, dass ich gut beraten wurde und sich alles so gut fügte“, freut sich die 32-jährige.